
Monika Seiller, Aktionsgruppe Indigene & Menschenrechte
Hiroshimatag 2026 München
Hallo, und Danke, dass ihr heute hier seid, denn wir müssen lautstark unsere Stimme gegen Wettrüsten, atomare Kriegsspiele und für den Frieden erheben – schon wieder und immer noch – auch acht Jahrzehnte nach Beginn des atomaren Zeitalters.
Wenn wir heute der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gedenken, dürfen wir die Auswirkungen des atomaren Wettrüstens auf die indigenen Völker nicht vergessen. Ihr Leid stand am Anfang der atomaren Kette – und sie sind aktuell erneut bedroht.
Am 16. Juli 1945 wurde im Rahmen des „Manhattan Projects“ in Alamogordo in New Mexico, dem traditionellen Land der Mescalero Apachen, die erste Atombombe der Welt gezündet – der „Trinity Test“. Die im Namen anklingende Dreifaltigkeit lässt sich nur übersetzen mit Machtgier, Menschenverachtung und Monstrosität.
Im Streben nach Macht und atomarer Überlegenheit wurden die Schwächsten in der Gesellschaft geopfert und als Versuchskaninchen missbraucht.
Stammte das Uran für die erste Bombe noch aus dem Kongo und aus Kanada, wo noch immer Uran auf dem Land der Indigenen, insbesondere der Cree in Saskatchewan, gefördert wird, wollte die US-Regierung fortan aus sogenannten nationalen Sicherheitsgründen das spaltbare Material aus heimischen Quellen gewinnen – vor allem vom Land der Navajo Nation im Südwesten der USA.
Bereits in den 1940er Jahren wurden hier zahlreiche Uranminen erschlossen, in denen zumeist Indigene, vor allem Dineh, arbeiteten. Über die Gefahren in den Minen wurden sie nie aufgeklärt. Tausende starben an Krebs.
Noch heute gibt es mehr als 500 aufgelassene Uranminen allein auf dem Gebiet der Navajo. Beim Abbau des Urans bleiben rund 85% der Radioaktivität im Abraum zurück. Ahnungslos ob der Gefahren wurde der Abraum zum Bau von Schulen und Häusern verwendet.
Auf dem Land der Yakama im US-Bundesstaat Washington wurde zudem die Plutonium-Fabrik Hanford errichtet, wo das Material für die Nagasaki-Bombe angereichert wurde.
Auf der Nevada Test Site, dem vertraglich zugesicherten Land der Western Shoshone, führten die USA seit 1951 bis zum Teststoppabkommen 1992 insgesamt 119 oberirdische und über 1000 unterirdische Atombombentests durch.
Die Tests wurden stets nur dann durchgeführt, wenn sichergestellt war, dass der radioaktive Fall-out über dem Gebiet der Western Shoshone niederging und nicht etwa weiße Städte wie Las Vegas betreffen würde. Zudem gab es immer wieder verheerende Unfälle, bei denen Radioaktivität entwich. Cäsium-135 und Jod-129 haben den Boden verseucht – mit einer Halbwertszeit von Millionen von Jahren. Durch ihre traditionelle Lebensweise, u.a. als Viehzüchter und Farmer, sind Western Shoshone oder Paiute der radioaktiven Verstrahlung besonders ausgesetzt, doch in den Augen der US-Militärs galt das Land als unbewohnt – Indigene galten lediglich als Kollateralschäden.
Bis heute kämpfen sie um Entschädigung und Anerkennung ihrer Rechte. Offizielle Statistiken über die Krebsopfer unter den Western Shoshone gibt es nicht. Eine Studie des National Cancer Institute aus dem Jahr 1997 war bewusst unvollständig und lückenhaft.
Aber nicht nur die Indigenen in den USA und Kanada waren bzw. sind von dem atomaren Wahnsinn bedroht. Sie haben sich mit Opfern weltweit solidarisiert. Schon in den 1990er Jahren gab es Treffen mit anderen Betroffenen – neben den Hibakusha auch aus Australien, Polynesien oder dem Pazifik.
Auch auf den Atollen Bikini und Eniwetok, die zu den Marshall Islands zählen, testeten die USA 67 Atombomben. „Castle Bravo“ mit der 1.000-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe war 1954 der verheerendste Test. Die Explosion der 15-Megatonnen-Bombe ließ eine 40 km hohe radioaktive Wolke aufsteigen, deren Fallout mehrere Atolle wie Rongelap verseuchte.
Die Bevölkerung wurde nicht vor der Gefahr gewarnt und erst drei Tage nach der Explosion evakuiert. Die Folgen waren verheerend – von Quallenbabies bis zu unzähligen Krebstoten. Auch in der dritten Generation ist Schilddrüsenkrebs eine der häufigsten Todesursachen.
Bis heute ist das Atoll radioaktiv verseucht, und auf Runit Island lagern in einem Atommülllager, dem sogenannten „Dome“, seit Ende der 1970er Jahre 85.000 Kubikmeter nuklearen Abfalls, darunter Plutonium-239, eine der giftigsten Substanzen der Erde. Der Atommüll liegt in einem Bombenkrater der Insel, abgedeckt mit einem nur 50 Zentimeter dicken Betondeckel, der bereits deutliche Risse zeigt. Zudem droht eine weitere Gefahr. Als Folge des Klimawandels steigt der Meeresspiegel, das Salzwasser frisst sich in den Beton und die Marshall Islands werden innerhalb der nächsten 50 Jahre vom Meer überspült, d.h. auch der radioaktive Müll wird den Pazifik verseuchen. Das Paradies, einstige Kolonie Deutsch-Neuguinea, hat sich in eine Hölle verwandelt.
Doch die USA waren nicht die einzige Atommacht, die das Leben der Indigenen dem atomaren Machtstreben opferten. Auch die Kolonialmacht Frankreich exportierte ihre Atomtests in Regionen weit weg vom französischen Mutterland. 190 Tests zündete Frankreich im Mururoa-Atoll, 41 davon überirdisch. Die Folgen für die Polynesier waren nicht weniger verhängnisvoll wie für die Bewohner der Marshall Islands. Doch weder die USA noch Frankreich waren jemals bereit, sich ihrer Verantwortung für die verhängnisvollen Auswirkungen auf die dortige Urbevölkerung zu stellen.
Das zerstörerische Erbe der vergangenen Tests weltweit sollte deutlich vor Augen führen, was ein Einsatz der Atombomben heute für die Menschheit bedeuten würde.
Und wo stehen wir heute?
Der kanadische Premierminister möchte den Export von Uran – gewonnen auf indigenem Land – verdoppeln. Unter Trump wurde der Uranabbau im Südwesten der USA – im Gebiet der Havasupai, Hopi, Dineh und anderer Indigener Völker wieder aufgenommen.
Und Deutschland?
Das Auswärtige Amt erklärt auf seiner Webseite, man fühle sich den Zielen eines umfassenden Atomteststoppvertrages verpflichtet, aber den Atomwaffenverbotsvertrag will Deutschland nicht ratifizieren.
Im Juli 2026 nahmen Eurofighter-Kampfjets an einer Übung nahe Köln teil, um die erstmalige Beteiligung Deutschlands an einer französischen Nuklearübung in die Wege zu leiten.
Auch wir in Europa und in Deutschland müssen uns unserer Verantwortung für eine atomwaffenfreie Welt stellen:
Wir fordern daher
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Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland
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Ausstieg aus der nuklearen Teilhabe in der NATO
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Absage an eine deutsch-französische Nuklearpartnerschaft
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die Unterzeichnung des 2021 in Kraft getretenen Atomwaffenverbotsvertrages.
Übrigens: der 29. August ist der Internationale Tag gegen Atomwaffentests.
Und nie vergessen – eine friedliche Welt ist möglich, wenn wir sie wollen!
Danke.
Atomwaffen abschaffen – jetzt!